Dr. Prengel, Krautkrämer und Coll.
Dr. Prengel, Krautkrämer und Coll.

Der böse Onkel ...

Sexueller Übergriff ?

 

Das Mädchen, der Hund und der übliche „böse Onkel“

 

 

Der 61jährige Beschuldigte kam in heller Aufregung, weil die Polizei ihn wegen eines sexuellen Übergriffes vernehmen wollte. Es klang zunächst nicht sehr glaubwürdig, als er sagte, dass das damals 14jährige Mädchen sich an ihm rächen wolle, weil sie seinen Hund nicht mehr ausführen dürfe. Denn sie habe den Hund zu sehr auf sich fixiert und diesen zudem so verwöhnt, dass er auf ihn, den Hundehalter, nicht mehr höre.

 

Er fürchtete Probleme in seiner Ehe und am Arbeitsplatz, wenn die Beschuldigung bekannt wird und es nicht zum Freispruch kommt.

 

Der Beschuldigte und spätere Angeklagte wartete ca. ein Jahr auf seine Verhandlung und stand bis dahin viele Ängste aus.

 

In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht im November 2011 erschien die jetzt 15jährige Kronzeugin, wie üblich, als Geschädigte und Nebenklägerin in Begleitung einer Rechtsanwältin als Nebenklagevertreterin und einer Vertreterin des Jugendamtes zur Unterstützung der Staatsanwältin.

 

Emotionsgeladen und unter Tränen schilderte das Mädchen, wie der Angeklagte versucht habe, ihr über der Kleidung an die Brust und an ihr Geschlechtsteil zu fassen.

 

Der Verteidiger fragte die Zeugin, ob sie dem Hund aus den Ferien eine Postkarte geschrieben habe. Dies irritierte die jugendliche Kronzeugin, aber sie verneinte nicht. Dann schilderte sie von sich aus, dass sie eine Mappe für den Hund angelegt habe, einen Bernhardiner-Mischling. Sie hätte viel Kummer zuhause, und sie hätte alles dem Hund erzählt, der sie als einziger verstanden hätte, und sie hätte alles aufgeschrieben.

 

Weiter schilderte sie, der Angeklagte sei mit ihr in den Wald gefahren. Dort hätte sie mit ihrem Schulfreund telefoniert. Da hätte der Angeklagte versucht, ihr zwischen die Beine zu fassen, aber sie hätte davon dem Freund während des laufenden Telefongespräches nichts gesagt.

 

Schließlich entstanden weitere Zweifel, als die Zeugin durcheinander kam und nicht klären konnte, ob sie die Beine über Kreuz geschlagen hatte, damit der Angeklagte nicht an sie heran kam.

 

Zuletzt wurde eine Sozialpädagogin als sachverständige Zeugin gehört, die bei einem Kinderarzt, wo die jugendliche Kronzeugin in Behandlung ist, als Therapeutin arbeitet und das Mädchen betreut. Erkennbar bezweckte das Verlangen seitens der Nebenklage und des Jugendamtes, die „Therapeutin“ zu hören, die Glaubwürdigkeit des Mädchens unter Beweis zu stellen. Dazu war sie allerdings schon wegen ihrer Funktion als Therapeutin rechtlich nicht geeignet. Dennoch bemühte sie sich, zu schildern, dass alles gut zusammen passe und sie der Zeugin glaube, dass sie Opfer eines Übergriffes sei.

 

Allerdings schilderte sie nicht von sich aus, sondern erst auf Nachfrage des Gerichts, dass bei dem Mädchen familien- und entwicklungsbedingt eine Persönlichkeitsstörung vorliegt und der Hund für sie dazu diente, ihr nur schwach ausgebildetes Selbstwertgefühl zu stärken. Den Entzug des Hundes könne sie nur schwer verkraften.

 

Trotz der umfangreichen Bemühungen, den Angeklagten mithilfe der Kindertherapeutin, die keine Ärztin oder Psychotherapeutin ist, zu belasten - deren Aufgabe ja lediglich darin liegt, die psychischen Defizite des Mädchens zu bearbeiten und keinesfalls darin, sich kritische Gedanken über die Glaubwürdigkeit ihrer „Patientin“ zu machen -, blieben bei dem Gericht Zweifel, und es sprach den Angeklagten frei. Ein Rachemotiv des Mädchens war zwar nicht bewiesen, aber auch nicht von der Hand zu weisen.

 

Wie bei derartigen Konfliktlagen kaum anders zu erwarten, legte nicht nur die Staatsanwaltschaft Berufung zum Landgericht ein, sondern auch die Rechtsanwältin als Vertreterin der Nebenklage, die allerdings selbst in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht nicht aktiv geworden war.