Dr. Prengel, Krautkrämer und Coll.
Dr. Prengel, Krautkrämer und Coll.

Beatrix Krautkrämer Profil

Seit Jahrzehnten bearbeiten wir in unserer Kanzlei Mandate und Prozesssachen aus dem Arztbereich. Diese werden federführend durch die hierauf spezialisierte Rechtsanwältin Beatrix Krautkrämer bearbeitet.

 

Zum einen wurden und werden wir in zahlreichen Fällen im Auftrag von Arzt- und Krankenhausversicherungen tätig.

 

Andererseits wenden sich auch Patienten an uns, die Anlass zu der Besorgnis haben, dass sie wegen Fehldiagnosen oder Fehlern in der Heilbehandlung und Therapie, so auch im Rahmen von Operationen, zu Schaden gekommen sind. Es geht um Probleme aus beispielsweise folgenden Bereichen:

 

- Chirurgie

- Handchirurgie

- Plastische Chirurgie

- Gynäkologie

- Orthopädie

- Radiologie

- HNO

 

 

Der Patient würde zuviel von dem behandelnden Arzt erwarten, wenn er etwa verlangen würde, dass dieser von sich aus einräumt, einen Fehler begangen und dadurch Schaden verursacht zu haben.

 

Der Grund für diese Zurückhaltung liegt tatsächlich weniger beim Arzt, sondern darin, dass dieser kein Schuldeingeständnis abgeben darf, weil er andernfalls den Schutz seiner Arzt-Haftpflichtversicherung verliert. Er muss nach den Versicherungsbedingungen die weitere Sachbearbeitung seiner Haftpflichtversicherung überlassen, der es auch darum geht, Schuldeingeständnisse aus Gefälligkeit, um den Patienten nicht zu verlieren, zu vermeiden.

 

Die Versicherung überprüft, ob der Vorwurf gegen den Arzt berechtigt ist, oder ob es sich aufseiten des Patienten und Anspruchstellers um ein vorgetäuschtes Szenario handelt, um die Arzt-Haftpflichtversicherung als sprudelnde Geldquelle zu nutzen. Echte und unechte Schäden sind nicht selten nur schwer auseinanderzuhalten.

 

DER SPIEGEL schrieb in seiner Ausgabe vom 14.02.2011, Nr. 7 „Wenn Ärzte irren“:

 

„Viele Ärzte versagen in der Kunst des Heilens – sie hören den Kranken nicht

zu. Die schlechte Kommunikation und der Drang zu Spezialistentum führen zu

falschen Diagnosen und sinnlosen Behandlungen. Schulmediziner müssen lernen, wieder den ganzen Menschen zu sehen.“

 

 

Der menschliche Körper ist ein höchst komplexes System, das, wenn es gesundheitliche Störungen gibt, den Arzt nicht selten vor schwierige Fragen stellt. Er muss nach möglichen Ursachen auf verschiedenen Gebieten forschen und im Wege der Differenzialdiagnose unterschiedliche mögliche Krankheitsursachen gegeneinander abwägen.

 

Was für den Laien / Patienten einfach und selbstverständlich aussehen mag, kann tatsächlich äußerst schwierig sein. Nicht immer handelt ein Arzt schuldhaft, wenn er nach gründlicher Prüfung mit den ihm möglichen Erkenntnismitteln zu einer Diagnose gelangt, die sich später als falsch erweist. Die Haftpflichtversicherung des Arztes wird sich dann nicht auf Schadenersatzforderungen einlassen, weil der Arzt nicht schuldhaft gehandelt hat.

 

Um das Vorgehen des Arztes nachvollziehbar und transparent zu machen, ist er verpflichtet, alles Wesentliche aus dem Arzt-/Patientengespräch, seinen diagnostischen Maßnahmen und dem Therapieverlauf schriftlich zu dokumentieren. Vor allem muss er nachweisen können, dass er den Patienten über Chancen und Risiken der therapeutischen Maßnahmen, die er plant, rechtzeitig und so gründlich aufgeklärt hat, dass er dies verstehen und eigenverantwortlich entscheiden kann, ob er dies will oder nicht. Dies nennt man Aufklärungspflicht des Arztes vor einem Eingriff.

 

Die eigenverantwortliche Einwilligung des Patienten ist deshalb so wichtig, weil nach der Rechtsprechung jeder Eingriff eines Arztes ohne nachweisbare Einwilligung eine Körperverletzung im Rechtssinne ist. Mit einer schlüssigen Dokumentation kann sich ein verantwortungsbewusster Arzt wirksam entlasten. Schwierig wird es für ihn, wenn er eine Dokumentation in der Eile des Alltags vergessen oder unterlassen hat oder diese abhanden gekommen ist.

 

Es liegt auf der Hand, dass darum oft genug in lang dauernden Prozessen über verschiedene Instanzen erbittert gestritten wird.

 

Während der Patient eine Entschädigung für seinen Schaden, vor allem auch den Verlust oder die Einschränkung an Lebensfreude anstrebt, ist es das Ziel der Versicherung, sich vor Missbrauch, Manipulation und unberechtigter Inanspruchnahme zu schützen. Hierbei gehen die Meinungen oft genug erheblich auseinander.

 

Der spezialisierte und durch langjährige Erfahrung geschulte Rechtsanwalt kennt diese Zusammenhänge und hat zu beurteilen, ob ein Prozess gegen den behandelnden Arzt und seine Versicherung Aussicht auf Erfolg hat oder nicht, oder ob und mit welchen Argumenten eine Abwehr des geltend gemachten Anspruches für den Arzt und seine Versicherung möglich oder sinnvoll ist.

 

Der Rechtsanwalt muss, wenn er für einen Patienten tätig wird, auch die möglicherweise lange Dauer eines Prozesses und die für den Patienten damit oft verbundenen unsäglichen Mühen in die Überlegungen einbeziehen. Nicht selten geht es um große Summen, so dass mit einem Entgegenkommen der Gegenseite nur in besonders klaren Fällen zu rechnen ist.

 

Zunächst einmal wird es darum gehen, solche lang dauernden, zeitaufwändigen und mühsamen Prozesse zu vermeiden. Eine Versicherung auf der Beklagtenseite hat naturgemäß einen längeren finanziellen Atem als der Patient mit seinen begrenzten finanziellen Möglichkeiten. In nicht wenigen Prozessverfahren, die in der Regel vor dem Landgericht, Oberlandesgericht bis zum Bundesgerichtshof geführt werden, entstehen Kosten für Zeugen, Sachverständige, Gerichte und Rechtsanwälte in sechsstelliger Höhe. Dann ist ein Patient gut dran, wenn er eine Rechtsschutzversicherung hat.

 

Wie in jedem Prozessverfahren hängt das Ergebnis auch des Arzthaftpflichtprozesses von der Möglichkeit ab, das, was vorgetragen wird, zunächst durch Beweisangebote detailliert in den Schriftsätzen unter Beweis zu stellen und später auch zu beweisen.

 

Deshalb sind einerseits Ärzte verpflichtet, eine sorgfältige Dokumentation zu führen. Andererseits können aber auch Patienten etwaige Auffälligkeiten schriftlich mit Datum und Uhrzeit festhalten und durch Zeugen, Fotos, Dokumenten usw. unter Beweis stellen.

 

Patienten berichten oft über Erlebnisse, die zu rechtlichen Überlegungen Anlass geben. Die Enttäuschung ist aber groß, wenn sie gefragt werden, wie sie das Berichtete beweisen können, und wenn ihnen dies nicht gelingt. Sie erleben dann leidvoll, dass Recht haben und Recht bekommen nicht dasselbe ist. Wer etwas erreichen will, muss von sich aus rechtzeitig und sorgfältig die erforderlichen Beweise sichern.

 

Kommt es zu einem Prozessverfahren mit Klage des Anspruchstellers (Patienten) und Klageerwiderung (des Arztes und seiner Versicherung), so ist das Gericht in der Regel mangels ausreichender eigener Sachkunde auf dem Gebiet der Medizin auf das spezielle Fachwissen von Gutachtern angewiesen. Diese werden durch Gerichtsbeschluss angewiesen, zu überprüfen, ob beispielsweise eine Diagnose richtig gestellt und die richtige Therapie veranlasst und sorgfältig, d. h. nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt wurde.

 

Schwierigkeiten bereitet nicht selten die Pflicht für den Kläger, den erlittenen Schaden nachvollziehbar und präzise darzustellen, dafür Beweis anzubieten und zu beziffern.

 

Patienten haben manchmal unzutreffende Vorstellungen über die Höhe des Schmerzensgeldes, weil sie sich an amerikanischen Verhältnissen orientieren. So hat beispielsweise das OLG Koblenz im Jahr 2005 einer 47jährigen Frau nach Misslingen einer Brustoperation einen Betrag in Höhe von 6.000,- EUR zugesprochen, da eine Zweitoperation erforderlich wurde.

 

Zum Schaden gehören alle Aufwendungen, die durch die Fehlbehandlung unmittelbar verursacht wurden, so auch Besuchsfahrten in die Klinik und Telefonate. Dem geschädigten Patienten und seinen Angehörigen wird es lästig sein, alles genau mit Datum und Uhrzeit zu notieren und die Belege zu sammeln. Aber der geschädigte Patient und Kläger muss nicht nur seinen Schaden nachvollziehbar und detailliert darstellen, sondern auch beweisen. Denn der Gegner wird behauptete Aufwendungen nicht einfach akzeptieren, sondern in Abrede stellen.

 

Dann hat, wie bei jedem Schadenersatzprozess, der geschädigte Patient die Last, Beweis zu führen. Gelingt ihm dies nicht, so wird der Anspruch insoweit abgewiesen. Wenn also etwas in einer Heilbehandlung erkennbar schief gelaufen ist, so tut der Patient gut daran, möglichst frühzeitig kompetente professionelle Hilfe eines erfahrenen und spezialisierten Rechtsanwalts in Anspruch zu nehmen, was unter Kostengesichtspunkten leichter fällt, wenn er eine Rechtsschutzversicherung hat.

 

Gerade für einen Patienten, der einen Schaden erlitten hat, den er auf eine schuldhafte Verletzung der ärztlichen Kunst im Rahmen einer Heilbehandlung / Therapie zurückführt, ist es wichtig, möglichst schnell den inneren Druck der Ungewissheit über seine Rechtsposition loszuwerden. Dies gelingt am ehesten, wenn er sich an einen kompetenten, erfahrenen und spezialisierten Rechtsanwalt wendet. Die Erfahrung auf diesem Gebiet kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Theoretische Rechtskenntnisse allein reichen in der Regel für die Bearbeitung derartiger Rechtsfälle mit komplizierten medizinischen Fragestellungen keineswegs aus.

 

Nicht wenige Mandanten glauben, dass sie mit einer Strafanzeige gegen einen Arzt zügiger vorankommen. Hier handelt es sich dann um das Gebiet des Arztstrafrechts. Die Erfahrung zeigt aber, dass diese Strategie eher nicht erfolgreich sein wird, weil damit gerechnet werden muss, dass sich die Verhandlungstüren im Rahmen der Schadensauseinandersetzung schließen. Es wird dann gemauert, und die in Anspruch genommene Partei denkt nur noch daran, sich gegen Vorwürfe zu schützen.

 

Die Prozessführung wird mit weniger Gespanntheit erfolgen, wenn sich der Arzt nur um die medizinischen Sachfragen kümmern muss und nicht vorrangig um seine berufliche Integrität.

 

Denn:

 

„Ein Arzt hat eine Aufgabe, als ob ein Mensch in einem dunklen Zimmer in einem

Buch lesen sollte.“

 

Christian Friedrich Hebbel, deutscher Schriftsteller (1813 - 1863)